Yad Vashem

10.05.2018, 5. Tag

Knesset Menora
Knesset Menora
Knesset Menora
Knesset Menora
Knesset Menora

Heute dürfen wir etwas länger schlafen. Unsere vereinbarte Abfahrt ist erst gegen 08.30 h. Für unsere Frühaufsteher gibt es hingegen ein gesondertes Programm zum Sonnenaufgang. Sie haben bereits um 06.00 h die Grabeskirche besucht. Sie erzählen von dem ruhigen und leeren Jerusalem in den Morgenstunden und der guten Zugänglichkeit bei den beliebten Punkten in der Grabeskirche, wo sich ansonsten lange Schlangen bilden.

Unser Bus bringt uns heute zur Knesset-Menora. Dabei handelt es sich um ein fünf Meter hohes Bronzemonument in Form eines siebenarmigen Leuchters. Dieser Leuchter ist das Wahrzeichen Israels und steht vor dem Parlament, der Knesset. Der Leuchter wurde von einem deutschen Künstler, Benno Elkan, geschaffen. Er zeigt ein umfangreiches Bildprogramm, welches für die Identität und Geschichte Israels steht. Dabei verwendet er biblische und historische Szenen. Interessant bei seinem Kunstwerk ist, dass die Bilder teilweise hervortreten und er somit Bild und Skulptur miteinander verbindet. Dies kann man ganz gut bei dem rechten äußeren Bild der Menora erkennen. Es zeigt Jeremia, der die Zerstörung Israels beklagt. 

Yad Vashem
Yad Vashem
Yad Vashem
Yad Vashem
Yad Vashem
Yad Vashem

Es geht weiter nach Yad Vashem, der internationalen Holocaust-Gedenkstätte. Yad Vashem erinnert an die nationalsozialistische Judenvernichtung und dokumentiert diese wissenschaftlich. Zuerst besuchen wir das „Tal der Gemeinden“. Auf 107 Steinwänden werden die 500 Orte mit jüdischen Gemeinden festgehalten, die ganz oder teilweise vernichtet wurden. Anschließend führt uns der Weg in das Museum. Es beherbergt neun unterirdische Galerien mit Videoinstallationen, Fotografien, Exponaten, Dokumenten und Kunstwerken. Sehr eindrücklich werden verschiedene geschichtliche Stufen im Zeitverlauf dargestellt, von dem jüdischen Leben vor und während dem zweiten Weltkrieg hin zur Zerstörung dieses Lebens in Polen und den Ghettos, den Konzentrations- und Vernichtungslagern bis zum Widerstand und den Todesmärschen. 

Yad Vashem

In Filmausschnitten berichten Zeitzeugen  von der Auswanderung, dem Leben danach und der Suche nach Angehörigen. Im Außenbereich gehen wir an der „Allee der Gerechten“ vorbei. Es wurden Bäume gepflanzt für die Menschen, die nicht Juden waren und sich dem Nazi-Regime widersetzt haben, um Juden zu retten, wie z. B. Oskar Schindler. Wir beschreiten auch die Gedenkstätte für die Kinder und Jugendliche. In dem dunklen Raum brennen Kerzen, die mehrfach gespiegelt werden und wie Sterne am Himmel schimmern. Wir gehen den Gang entlang und lauschen nach den Namen, dem Alter und Geburtsort der ermordeten jüdischen Kinder, die aufgerufen werden. Um alle Namen zu hören, müssten wir drei Monate an diesem Ort verbringen. Die Gedenkstätte Yad Vashem ist unermüdlich. Sie forscht, publiziert und bildet kontinuierlich aus. Die Eindrücke sind bedrückend, jedoch sind die Inhalte derart umfassend, breit und museumspädagogisch wertvoll aufbereitet, dass man gerne länger bleiben würde. Vielleicht eröffnet sich für Interessierte am Holocaust eine Perspektive für eine Studienreise. 

Spaziergang auf der Stadtmauer
Spaziergang auf der Stadtmauer

Den Nachmittag haben wir zur freien Verfügung. Einige der Gruppenmitglieder entscheiden sich, mit der Straßenbahn weiterzufahren. Die meisten nehmen den Bus. Wir bilden eine Mini-Gruppe und steigen am Jaffa-Tor aus. Von dort geht es auf die Stadtmauer. Der Weg bis zum Damaskus-Tor ist mit hohen Treppenstufen und unebenen Steinbelägen beschwerlich. Er ermöglicht uns jedoch, einen Blick hinter die Kulissen in das Leben vor Ort zu werfen. Geschafft trete ich den Weg zum Hotel an. 

Nach dem Abendessen haben wir einen letzten Programmpunkt des Tages. Wir besuchen gegen 21.20 h den Western Wall Tunnel. Es geht hinab zu der Ausgrabungsstätte und zu den Fundamenten der Klagemauer auf der Westseite. Die großen beeindruckenden Steine, Wasserpools und Aquädukte  zeugen von einer glanzvollen jüdischen Periode. Wir machen noch einen Abstecher auf den Platz vor der Klagemauer. Einige schreiben ihre Wünsche auf kleine Zettel, die sie falten und in die Ritzen der Klagemauer stecken. Ich fasse die Steine mit beiden Händen an und lasse meine Gedanken und Gefühle frei. Die Klagemauer hat Krieg und Zerstörung überstanden und vermittelt Frieden, Standhaftigkeit und Überleben. Gute Gefühle begleiten mich in die Nacht.

West Wall Tunnel
West Wall Tunnel
Klagemauer