Zuversicht und Hoffnung

11.05.2018, 6. Tag

Dormitio Abtei
Dormitio Abtei

Heute haben wir ein umfassendes Programm. Aus diesem Grund stehen wir etwas früher auf und beginnen unsere Reise bereits um 07.30 h. Unsere erste Station ist der Zionsberg. Das schwarze Kegeldach der Dormitio-Kirche ist bereits von weitem erkennbar „Die Benediktinerabtei Dormitio steht auf dem Zionsberg, …

… wo Jesus Christus mit seinen Jüngern Mahl hielt und ihnen die Füße wusch.

… wo der Auferstandene den Jüngern erschien und wo sie den Heiligen Geist empfingen.

… wo die Gottesmutter Maria im Kreis der Urgemeinde lebte und starb.

… und wo die Kriege des 20. Jahrhunderts ihre Spuren der Gewalt und Zerstörung hinterlassen haben.“

(aus dem Flyer der Benediktinerabtei Dormitio)

 

Gräber
Ausgrabungen

Wir besuchen den Friedhof auf dem auch Johann Ludwig Schneller, Gründer des Syrischen Waisenhauses, Conrad Schick, deutscher Baumeister in Jerusalem und William Matthew Flinders Petrie, Vorreiter der modernen Archäologie, begraben sind. Sein Körper wurde auf dem Friedhof beigesetzt. Seinen Kopf vermachte er zu wissenschaftlichen Zwecken dem Royal College of Surgeons. Mitarbeiter des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes führen uns über den Friedhof und die anliegende Ausgrabung. 

Grabstätte Davids

Sodann steigen wir hinauf zur Kirche. Wir durchqueren den Raum der Fußwaschung zum dahinterliegenden Grab von König David. Die Grabstätte ist gut besucht. Durch eine kleine Raumöffnung schiebt sich die Menge hinein zum Sarg von König David und durch die gleiche Öffnung wieder zurück. Dann geht es weiter zum Coenaculum, dem Saal des letzten Abendmahls. Ich stärke mich mit einem Kaffee für das nächste Ziel und führe ein nettes kurzes Gespräch in Deutsch mit dem Cafebetreiber.

Wohl-Museum

Unser Bus bringt uns zum herodianischen Quartier. Wir sind überrascht von dem wohlhabenden und luxuriösen Leben in den Häusern eines der Kohanim, der Diener des zweiten Tempels. Die Häuser sind ausgestattet mit Mosaiken, Kunstwerken, Lounges für Familie und Freunde, Hausutensilien und vielem mehr. Im Erdgeschoss befanden sich Lagerräume, Waschräume und das rituelle Reinigungsbad, im Obergeschoss die Küche und Schlafräume.

Ein kurzer Spaziergang führt uns zum Burnt House - ebenfalls ein Wohngebäude aus der zweiten Tempelperiode. Es gehörte der Familie Katros und lag in einer bevorzugten Wohngegend mit Blick zum Tempel. Diesen konnte man über eine Brücke leicht erreichen. Im Talmud wird die Familie Katros als eine von mehreren Familien der Priesteraristokratie erwähnt: „Wehe mir wegen des Hauses Kathros, wehe mir wegen ihres Schreibrohrs! … Denn sie sind Hohepriester, ihre Söhne Schatzmeister und ihre Schwiegersöhne Tempelaufseher, und ihre Knechte schlagen das Volk mit Stöcken.“ (aus dem Flyer des Burnt Houses)

Das Haus wurde bei der Eroberung Jerusalems durch die Römer niedergebrannt. Davon zeugen eine Ascheschicht, eine Speerspitze, die Knochen eines abgeschlagenen Frauenarmes und anderes. Ein Film vergegenwärtigt uns die Zeit am Ende der zweiten Tempelperiode, das Familiendrama, den Brand und den Kampf. Am Ende des Films steht die Vision, dass Kinder an diesem Ort wieder spielen können.

Erlöserkirche

Es geht weiter zur Erlöserkirche. Kirche und Probstei gehören zur Evangelischen Jerusalem-Stiftung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ein Grabungsschacht unter der Kirche gibt uns einen Einblick in die Zeit vor 2000 Jahren. Ein Teil unserer Gruppe besteigt den Kirchturm. Nach 178 Stufen wird man mit einem tollen Ausblick über die Altstadt Jerusalems belohnt. Ein anderer Teil zieht es vor, sich mit unserer Reiseleiterin Dorit beim Falafel-Essen zu stärken.

Nach dem Mittagessen schließt sich die Gruppe wieder zusammen und wir fahren nach Bethlehem zur Geburtskirche. An der Grenze erklärt unsere Reiseführerin der Kontrolle, was für eine Gruppe wir sind und wohin wir wollen. Nach der Grenze machen wir einen kurzen Stopp zum Einkaufen im Souvenirladen. Ich kaufe dort einige Produkte aus Olivenholz, die sich geschmeidig anfassen. In Bethlehem selbst werden wir sofort von Souvenirverkäufern umzingelt.

Geburtskirche
Geburtskirche
Geburtskirche
Geburtskirche

Wir gehen gebückt durch ein niedriges Tor in die Geburtskirche. Dort bewundern wir einen Teil des gut erhaltenen freigelegten Mosaiks aus dem vierten Jahrhundert und stellen uns in die lange Reihe der Wartenden, um jene Orte zu sehen, an denen sich Jesu Geburtsstätte und seine Wiege befunden haben sollen. Steile Stufen führen hinunter zur Geburtsgrotte. Kurz vor dem Eingang versagt der Kreislauf einer Teilnehmerin. Gestützt von zwei weiteren Teilnehmern muss sie leider kurz vor dem Ziel aufgeben. Sie braucht frische Luft. In der niedrigen und engen Höhle dürfen wir jeweils zu zweit vor einen im Boden eingelassenen silbernen Stern mit 14 Zacken und der Inschrift „Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est“, übersetzt „Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren“, vortreten und ihn berühren. Gegenüber befindet sich die Wiege Jesus. Lange können wir uns dort nicht aufhalten, wir werden aufgefordert weiterzugehen, damit andere Besucherinnen und Besucher nachrücken können.

Der Ort ist mir so vertraut, dass ich das Gefühl habe schon einmal da gewesen zu sein. Er gibt mir Zuversicht und Hoffnung mit.