Resource Center in Kigali

Dr. Karangwa zu Besuch am EFWI im Juli 2016

Die seit 2014 bestehende Kooperation des EFWI mit der University of Rwanda – College of Education (UR-CE) verzeichnet die ersten wichtigen Erfolge. Das EFWI unterstützt durch seinen Dozenten, Dr. Anton Geiser, die UR-CE beim Aufbau einer neuen Fakultät für Förderpädagogik. Diese Fakultät trägt den Namen School for Special Needs and Inclusive Education. Geleitet wird sie seit der Gründung in 2014 von Dr. Evariste Karangwa.

Dr. Karangwa war in den 90er Jahren der erste Schulleiter in Ruanda, der Kindern mit Behinderungen (Förderbedarf) die Teilhabe am Unterricht in seiner Schule ermöglichte. Er hat 2006 in Leuven (Belgien) promoviert und arbeitet seitdem an der UR-CE.

Nachdem ein Modul-basierter Bachelor Studiengang konzipiert wurde, haben 2014 die ersten 46 Studierenden ein grundständiges BA Studium in Förderpädagogik begonnen. 2015 entwickelten Dr. Karangwa und Dr. Geiser gemeinsam die Konzeption für ein Special Educational Needs Resource Center an der neuen Fakultät.

Dr. Geiser mit den ersten 46 Studierenden und den Dozenten

In diesem Resource Center können die Studierenden zukünftig praktische Erfahrungen in den folgenden Bereichen mache

  • Diagnostik inkl. Screening Audiometrie
  • Therapie und Frühförderung
  • Herstellung von Fördermaterialien
  • Aufklärungsarbeit / Workshops für Eltern und Schulleitungsmitglieder

Mit finanzieller Unterstützung des Ruandareferates des Innenministeriums in Rheinland-Pfalz (RLP) und der Christoffel-Blindenmission konnte 2016 die Erstausstattung für dieses Resource Center realisiert werden. In mehreren Workshops wurden die Materialien dem ruandischen Dozentenkollegium durch Dr. Geiser vorgestellt. Diese können nun bereits als Anschauungsmaterial in der Arbeit mit den Studierenden genutzt werden.

Workshop Fördermaterial mit den Dozenten und Mitarbeitern

Der nächste geplante Schritt ist die Ausstattung des Resource Centers mit qualifiziertem Personal. Da es in Ruanda nur sehr wenige geschulte Fachkräfte gibt, müssen jeweils eine Fachkraft für die Bereiche Physiotherapie, Ergotherapie und Heilpädagogik qualifiziert werden. Hierzu hat das EFWI gemeinsam mit der UR-CE bereits Förderantrage gestellt und erste Zusagen von verschiedenen Rotary Clubs in Deutschland und Österreich erhalten.

Ende 2015 reiste Herr Hans Tilly (ehem. Leiter des Frühförderzentrums in Trier) im Auftrag des Partnerschaftsvereins RLP-Ruanda als Seniorexperte nach Ruanda. Herr Tilly machte eine Bestandsaufnahme aller Einrichtungen und Projekte für Menschen mit Behinderungen in Ruanda, die eine Partnerschaft mit RLP haben. Als Ergebnis dieser Reise wurde vor Ort ein Netzwerk der o.g. Einrichtungen begründet und ein Aktionsplan für die Zusammenarbeit erstellt.

Im Rahmen dieses Aktionsplans wurden die Aktivitäten des Landes RLP und des EFWI miteinander vernetzt. Als erster gemeinsamer Schritt konnte eine qualifizierte Fortbildung über die Fakultät von Dr. Karangwa für insgesamt 18 Mitarbeiter(innen) aus den Partnerprojekten angeboten und durch die Partner in RLP finanziert werden.

Alle Beteiligten sehen in der Qualifizierung von Fachkräften den entscheidenden Schlüssel, um in den o.g. Partnerprojekten sog. „Mindeststandards“ für die Arbeit zugunsten der betroffenen Menschen mit Behinderungen etablieren zu können.

Dr. Karangwa besuchte auf Einladung des EFWI und mit finanzieller Unterstützung des Landes RLP im Juli 2016 verschiedene Einrichtungen im Bundesland. Er war beeindruckt von der hohen fachlichen Expertise, der Ausstattung der Einrichtungen und der großen Unterstützungsbereitschaft, die ihm entgegengebracht wurde.

Dr. Karangwa und Dr. Peters beim Besuch in Mainz

Als Gast auf dem überregionalen Treffen der Frühfördereinrichtungen in Mainz wurden ihm und Dr. Geiser konkrete Hilfen bei der Qualifizierung der o.g. Mitarbeiter für das Resource Center zugesagt. Die Leiter und Leiterinnen der Frühfördereinrichtungen werden hierzu bei ihren Fachkräften für ehrenamtliche Arbeitseinsätze werben.

Die Kooperation des EFWI mit der UR-CE wird somit langfristig zu einer tragenden Säule für die Entwicklung der Förderpädagogik in Ruanda und die Aktivitäten des Landes RLP. Sie ist gleichzeitig auch ein Stück gelebte Diakonie und verdeutlicht, dass die Ev. Kirchen in RLP über die Aktivitäten im Bundesland hinaus Bildungsverantwortung für besonders benachteiligte Menschen übernehmen.